Die Verlorenen Bitcoins

Das starke Sicherheitskonzept bei Bitcoin bedeutet auch: wenn das Passwort mal weg ist – dann ist der Coin weg. Und das passiert öfter als man denkt.
Bitcoins sind, anders als Banken oder Versicherungen, unreguliert. Wenn der Besitzer verstirbt ohne das private Passwort (der private Schlüssel) weiterzugeben, dann sind die Bitcoins für immer weg.
Sie werden immer sichtbar sein, aber niemand kann auf sie zugreifen.

Nun könnte man unterstellen, dass jemand mit einer Brute Force Attacke, als ziellosem Erraten der Schlüssel die Coins doch knacken könnte. Aber hier wird die überlegene Sicherheitstechnik des Bitcoin zum Problem.
Bruce Schneider, Sicherheitsexperte, schloss aus dass man einen 256-bit Schlüssel mit einer solchen Attacke knacken könnte, indem er ein physikalisches Gesetz zitierte; so groß ist das Problem.
Selbst ein Großrechnersystem könnte den Code nach Jahrzenten noch nicht haben.

Laut ihm werden solche Attacken „sinnlos sein, solange Computer auf dem derzeitigen Stand sind und mehr als nur Raum belegen“.

Somit ist die Kurzfassung, dass verlorene Coins verloren sind.

Wieviele Coins sind schon verloren?


Aufgrund des Algorythmus ist bekannt, dass Bitcoin maximal 21 Millionen coins haben kann. Sie werden in den nächsten Jahren geschürft werden (im August 2017 sind 13,7 Mio. erschürft worden).
Auch können sie durch Tod, Vergessen oder Hardwareversagen verloren gehen. Wieviele sind bereits schon verloren?
Wer durch die Archive von Bitcoin Foren geht, wird alte Beiträge finden, in denen Bitcoins verloren gingen, die heute ein halbes Vermögen wert wären.

Der US-Programmierer Laszlo Hanyecz hat sich ja 2010 für 10.000 Bitcoin eine Pizza gekauft. Aktuell wäre das eine Pizza für 10 Millionen. Viele leute dachte früher eben ähnlich: die Bitcoin waren nicht viel wert, und
deswegen sind GEschichten großer Verluste nichts neues.

Der Waliser ITler James Howells verlor 2013 7.500 Bitcoin in einer Festplatte, die seinen privaten Schlüssel beinhaltetete – jetzt liegt sie irgendwo in einem Schrottplatz in Pillgwenlly, Wales- und schon viele Stunden
hat man die Coins auf dem Platz gesucht.
Eine andere Geschichte ist die des Londoner Programmierers David Kitchen, der 50 Coins in 2010 schürfte, dann aber aufhörte als das Lüftergeräusch ihn nervte. Er steckte die Coins in einen USB und vergaß sie anschließend.
Heute wäre die Münzen 200.000 € wert: leider ist der USB Stick weg. David meint, dass er ihn „eventuell mit einem Linux installer überschrieben hat oder mit einem Video der Hochzeit“.

Nun kann man anhand der öffentlichen Blockchain alle Transaktionen nachvollziehen, sodass jemand mit viel Zeit die Daten analysieren könnte.

Der Programmierer John Ratcliff hat genau das getan: er bezeichnet Zombie Coins als solche, die seit mindestens 18 Monaten keine Bewegung gemacht haben.
Damals waren sie noch einige Cent wert, heute das Vielfache. Tatsächlich besteht die Wahrscheinlichkeit, dass viele auch einfach zurückgelegt wurden. Laut seiner Analyse habeen 30 Prozent aller Bicoin in den letzten 18 Monaten 0 Transaktionen gehabt.
Dennoch ist es schwer vorstellbar, dass so viele Coins einfach „vergessen“ wurden. Wer würde sich Profite von über 4000% entgehen lassen?
Ratcliff meint dazu: „Auch wenn man nicht abschließend sicher sein kann, ist es doh sicher anzunehmen, dass die große Mehrheit dieser 30% aller bisher geschürften Bitcoins unwiederbringlich verloren sind weil sie zum Beispiel irgendwo verloren oder vergessen wurden“.

Beim derzeitgen Preisniveau wäre das fast eine Milliarde Euro.

Und der größte Verlust von allen ist der, den der unbekannte Gründer hatte: Sathoshi Nakamoto.

Diese Person – oder Gruppe, man weiß es nicht – hat ja Bitcoin erfunden und als erste person angefangen, Bitcoins zu schürfen.
Und es waren viele: eine detaillierte Analyse zeigt, dass es rund 1/23 aller Bitcins von ihm geschürft wurden – ungeführ eine Million. Und das beste daran ist: kein einziger ist bisher bewegt worden! Die Coins sind aktuell weit über eine Milliarde Euro wert.

War dies ein überdachter Schritt, um Bitcoin etabliert zu bekommen, oder sollen die Coins in der Zukunft für etwas eingesetzt werden? Solange der private Schlüssel existiert, sind sie unermesslich wertvoll.

Das beste daran ist, dass auch noch Leute Satoshi Geld schicken – eigene Bitcoin – die dann auf diesen Berg wandern. Diese Adresse, die die ersten 50 Bitcoins schürfte: erhielt weitere 955 Transaktionen im Wert von 15,4 Bitcoin.

Ein anderes Beispiel ist das Start-up Counterparty, welches letztes jahr 2.130 Bitcoin „verbrannte“ – was damals rund 1,7 Mio. Euro waren.

Die Firma erschuf eine Art Sparschwein, welches auf Bitcoin basierte und bot eine eigene Währung namens XCP an. Andere Firmen haben ähnlich Dinge bereits in der Vergangenheit getan und hatten dann Schwierigkeiten, diese „Währungen“ verkauft zu bekommen. Hier erfährst du mehr.


Counterparty bot anstelle dessen einen Tausch für Bitcoin gegen XCP an, wobei aber kein richtiger Mechanismus für einen solchen Tausch existiert. Also sollten Nutzer einfach ihre Bitcoin öffentlich zerstören, um so XCP zu bekommen.
Dies geht, indem man einen Geldbeutel ohne privaten Schlüssel aufsetzt, sodass alle Coins, die an diese Adresse gesandt werden, „verbrennen“. Der Geldbeutel und seine Transaktionen sind online zu bestaunen, und die geschickten Coins werden nie gehoben werden können.

Ivana Zuber, eine Vertreterin von Counterparty sagte dazu: „Wir wollten Counterparty die größtmögliche Glaubwürdigkeit vom Beginn an verschaffen und sicherstellen, dass XCP Coins gleichmäßig verteilt sind. Gleichzeitig wollten wir sicherstellen, dass die Entwickler keine besonderen Privilegien genießen.
„Anstelle einen Berg vorgeschürfter XCP zu verkaufen und ein zentralisiertes Projekt mit Möglichkeit des Scheiterns zu erstellen, wollten wir XCP öffentlich verteilen, in einer durchsichtigen und fairen Weise um das
übliche Schema des „schnell reich werdens“ zu umgehen.“

Auch wenn Counterparty damit eine Art Transfer erzeugen wollte, gibt es andere Wallets die für denselben Zweck, die Zerstörung eines Bitcoin geschaffen wurden.

Was bedeutet das für Bitcoin?

Die gefährliche Botschaft bedeutet: Bitcoin ist dezentral, libertär, inflationsfree und ohne Dinge wie Quantitative Easing oder sonstige Euphemismen und Symptomen des nahenden Endes des FIAT Gelds.
Es bedeutet aber auch, dass du am Ende für die Sicherheit verantwortlich bist. Ein Einzelner kann jederzeit Bitcoin verlieren, für den Rest der Krypto Welt bedeutet es so gut wie nichts. Theoretisch nimmt sogar
der Wert der anderen prozentual gesehen zu, da ihr Anteil steigt.

Nun ist Bitcoin derzeit auf 8 Nachkommastellen begrenzt, aber die Erweiterung auf mehr Stellen ist nur eine Aktualisierung des Quellcodes, damit weniger Coins das Netzwerk nicht auslaufen lassen. Die Gesamtanzahl kann so viel kleiner werden.
Andererseits sind Bitcoin heutzutage viel mehr wert als früher, also wird das „Zerstören“ sicher weniger werden. Die verlorenen Coins sind aber für immer weg.

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